Keyword-Recherche: wie Mandanten wirklich suchen
Nach einer Kündigung: Sucht man „Anwalt Kündigung“ oder „Anwalt Arbeitsrecht“? Ich habe die Suchzahlen von rund 60 Mandanten-Suchen aus Recht und Steuern ausgewertet. Das Ergebnis passt nicht zu der Faustregel, Mandanten suchten in Alltagsworten. Die großen Zahlen gehören fast überall dem Rechtsgebiet – die Alltagsworte sind seltener, kosten im Klick aber oft mehr.
- 10 Jahre Online-Marketing-Praxis
- Wirtschaftsjurist (LL.M.)
- Google-Ads-zertifiziert
Die Zahlen: Rechtsgebiet vor Lebenslage
Grundlage sind Googles eigene Werte: der Monatsdurchschnitt aus Google Ads für Deutschland, Oktober 2025 bis September 2026, abgerufen am 20. Oktober 2026 über DataforSEO. Anmerkung: Neuerer Stand als die Werte aus Juli 2026 auf den Leistungsseiten. Daher weichen einzelne Zahlen dort etwas ab. Je Anliegen steht die Suche mit dem Rechtsgebiet über der Suche mit der Lebenslage:
| Suchanfrage | Sucht nach | Suchen / Monat |
|---|---|---|
| anwalt familienrecht | Rechtsgebiet | 12.825 |
| scheidungsanwalt | Lebenslage | 4.233 |
| arbeitsrecht anwalt | Rechtsgebiet | 7.275 |
| anwalt kündigung | Lebenslage | 402 |
| erbrecht anwalt | Rechtsgebiet | 8.783 |
| anwalt testament | Lebenslage | 178 |
| anwalt verkehrsrecht | Rechtsgebiet | 3.950 |
| anwalt verkehrsunfall | Lebenslage | 298 |
| anwalt mietrecht | Rechtsgebiet | 9.367 |
| anwalt nebenkostenabrechnung | Lebenslage | 376 |
In allen fünf Paaren liegt das Rechtsgebiet vorn, und zwar deutlich: vom ca. Dreifachen beim Familienrecht bis fast zum Fünfzigfachen beim Erbrecht. Bei Steuerkanzleien zeigt sich dasselbe Muster – „steuerberatung“ kommt auf 73.833 Suchen im Monat, „steuererklärung machen lassen“ auf 626.
Ein zweiter Befund: Auch „Fachanwalt“ ist ein Suchwort. „fachanwalt familienrecht“ erreicht 6.100 Suchen, „fachanwalt erbrecht“ 5.067 und damit mehr als „anwalt erbrecht“ mit 2.542. Wer die Fachanwaltsbezeichnung führt, zeigt sie deshalb am besten dort, wo Google und Mandanten zuerst lesen: im Seitentitel und in der Hauptüberschrift.
Die kleinen Suchen sind die teuren
Google Ads weist zu jeder Suche auch aus, was Anzeigenkunden im Schnitt für einen Klick gezahlt haben. Klickpreise abgerufen am 20.10.2026. Hier kehrt sich das Bild um:
| Suchanfrage | Suchen / Monat | Klickpreis in Euro |
|---|---|---|
| anwalt blitzer | 338 | 38,72 |
| bußgeldbescheid anwalt | 74 | 30,80 |
| anwalt verkehrsrecht | 3.950 | 8,85 |
| anwalt kündigung | 402 | 15,13 |
| anwalt arbeitsrecht | 5.775 | 12,78 |
Ein Klick auf „anwalt blitzer“ kostet gut das Vierfache eines Klicks auf „anwalt verkehrsrecht“, obwohl nur ein Bruchteil der Menschen so sucht. Bei der Kündigung ist der Abstand kleiner, aber er zeigt in dieselbe Richtung. Ein hoher Klickpreis heißt: Viele Anzeigenkunden konkurrieren um genau diese Besuche. Für Ihre Website ist das ein Grund, Lebenslagen nicht zu übergehen, nur weil sie seltener gesucht werden. Eine Seite, die sie beantwortet, könnte diese Besuche potenziell eher ohne Klickpreis erreichen.
Wie sieht das für Ihr Rechtsgebiet in Ihrer Region aus? Der Mandanten-Potenzial-Rechner zeigt, wie oft Ihr Rechtsgebiet dort gesucht wird, wo Ihre Kanzlei sitzt – ohne Registrierung.
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Wie Sie die Zahlen lesen, ohne sich zu verrechnen
- Varianten sind zusammengefasst. Google weist die durchschnittliche Zahl der Suchen für ein Keyword samt ähnlichen Varianten aus (Google-Ads-Hilfe). Deshalb tragen „scheidung anwalt“ und „scheidungsanwalt“ dieselbe Zahl, ebenso „erbrecht anwalt“ und „erbschaft anwalt“. Solche Paare dürfen Sie nicht addieren. Andere Paare führt Google getrennt: „anwalt arbeitsrecht“ und „arbeitsrecht anwalt“ stehen mit 5.775 und 7.275 einzeln in der Liste.
- Die Werte sind gerundet und schwanken mit Saison und Ereignissen, darauf weist Google selbst hin. Ein Mittel über zwölf Monate glättet das.
- Kein Wert heißt nicht keine Nachfrage. Für „eigenbedarfskündigung anwalt“ liefert die Abfrage zum Erstellungsdatum dieses Artikels gar keine Zahl – vermutlich, weil sie unter der Auswertungsschwelle liegt oder einer anderen Schreibweise zugerechnet wird. Welche Suchen tatsächlich zu Ihrer Website führen, zeigt die Google Search Console.
- Der Ort fehlt in der Tabelle. Sie zeigt bundesweite Suchen. Für Ihre Kanzlei zählen die Suchen in Ihrer Region, mit und ohne Ortsnamen.
Aus der Liste wird eine Seite
Google rät im eigenen SEO-Startleitfaden, von den Worten der Mandanten aus zu denken: Wer sich in einem Thema auskennt, sucht mit anderen Begriffen als jemand, der neu darin ist (Google Search Central). Für Kanzleien ergibt sich daraus eine Arbeitsteilung auf jeder Seite als Faustregel (Sie sollten Ihren individuellen Fall immer nach einer eigenen Recherche differenzieren):
- Seitentitel und Hauptüberschrift nennen das Rechtsgebiet und den Ort, bei verliehenem Titel auch „Fachanwalt“.
- Zwischenüberschriften und häufige Fragen greifen die Lebenslagen auf: Kündigung, Abfindung, Testament, Nebenkostenabrechnung.
- Die Kostenfrage bekommt einen sichtbaren Platz. „steuerberater kosten“ kommt auf 5.092 Suchen im Monat, „was kostet ein steuerberater“ auf 3.308, „was kostet ein anwalt“ auf 877.
- Jeder Begriff steht an einer natürlichen Stelle. Mehrfaches Wiederholen ermüdet beim Lesen, und überflüssige Keywords zählt Google zu den Verstößen gegen seine Spam-Richtlinien.
Eine eigene Seite für jede Schreibweise braucht es dagegen nicht. Getrennte Seiten für „Scheidungsanwalt“ und „Anwalt Scheidung“ würden sich gegenseitig Konkurrenz machen; eine starke Seite je Anliegen deckt beide ab.
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Häufige Fragen zur Keyword-Recherche
Wie findet man die richtigen Keywords für eine Kanzlei-Website?
Mit drei Listen: den Rechtsgebieten mit Ort, den Lebenslagen Ihrer Mandanten und den Fragen, die im Erstgespräch immer wieder kommen. Das Suchvolumen dieser Begriffe prüfen Sie im Keyword-Planer von Google Ads oder mit einem Werkzeug, das dessen Daten nutzt. Welche Suchen Ihre Website schon erreicht, zeigt die Google Search Console.
Wie oft sollte eine Kanzlei ihre Keyword-Recherche wiederholen?
Für den Überblick genügt meist ein oder wenige Male im Jahr, weil die Zahlen ohnehin ein Jahresmittel sind. Zwischendurch lohnt der Blick in die Search Console: Neue Suchanfragen, bei denen Ihre Website erscheint, zeigen Themen, die Sie noch nicht beantworten.
Braucht jede Schreibweise eine eigene Seite?
Nein. Google fasst ähnliche Varianten zusammen, und mehrere Seiten zum selben Anliegen machen sich gegenseitig Konkurrenz. Besser ist eine starke Seite je Anliegen, die Rechtsgebiet und Lebenslage gemeinsam abdeckt.
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